Berlin, Anfang Februar 2o16: Mir fällt beinahe die Decke auf den Kopf. Ich schaue in den Spiegel und stelle mit Erschrecken fest, dass die mangelnde Bewegung über Winter mir einige extra Kilos auf den Rippen verliehen hat. Doch ich fühle mich trotzdem gut – denn ich habe soeben meine Master Arbeit eingereicht und als Belohnung geht’s für ein verlängertes Wochenende zum Huchen Fliegenfischen in die Alpen. Für 120€ habe ich mir einen Flug bei Air Berlin (TXL nach Salzburg) geschossen und dann via Bahn ab nach Übersee.

Da der Huchen, im Gegensatz zu den meisten anderen Salmoniden, erst im Frühjahr laicht wird überwiegend nur im Winter auf Huchen gefischt. In Übersee angekommen, treffe ich meinen Kumpel Peter und bei Weißbier und Haxen bequatschen wir die kommenden Tage. Der Wetterbericht sagt klaren Sonnenschein im Oberlauf unseres Flusses voraus, inklusive Kaffeebraunem Schmelzwasser. Shit. Das keine guten Bedingungen! Idealerweise wäre, bedeckter Himmel und nur „leicht eingetrübtes Wasser“. Egal, denn jetzt liegt es ja sowieso nicht mehr in meiner Hand. Am nächsten Morgen stehe ich also an dem reißenden Fluss. Ein kalter Wind weht mir um meine porige Nase und meine Wathose zwickt an allen Ecken- und Enden.

Aber ich bin motiviert bis in die Haarspitzen und ich spüre wie sich irgendwo, im tiefsten Inneren meines Körpers, langsam wieder alte Lebensgeister melden. In den kommenden vier Tagen stehen wir jeden Tag mit Sonnenaufgang auf- und kommen erst spät nach Sonnenuntergang wieder nach Hause. Aber die atemberaubende Natur lässt mich über mich herauswachsen: Tiefe Schluchten, steile Felswände, türkises Wasser und eine reißende Strömung, bei der jeder Schritt der Letzter sein könnte, setzten in mir ungeahnte Kräfte frei. Ein- ums andere Mal höre ich wie meine Schnur beim „Schießen-lassen“ an den Blank meiner 8er Rute knallt – fast so, als ob man jemanden mit Schwung auf den Arsch klatscht. Wasseramseln schauen mir dabei zu, und es kommt mir fast so vor, als ob sie bei jedem meiner Würfe über 25m steildrehen und mir mit ihren waghalsigen Flugmanövern zeigen wollen was sie so drauf haben. Und ich lerne mich schnell an solchen Kleinigkeiten zu erfreuen, denn wie beim Meerforellen-Fischen braucht man auch beim Huchen Fliegenfischen einen verdammt langen Atem.

 

Und so geht es Minute für Minute, Stunde um Stunde. „Cast, strip and repeat“. Im Laufe der Tage verbessern sich dabei die Umweltbedingungen quasi stündlich. Und das zu Anfangs noch stark, vom Schmelzwasser, verfärbte Wasser klart sukzessive auf, so dass wir am 3. Tag nahezu perfekte Bedingungen vorfinden. „Leicht angestaubtes Wasser“ wird von den meisten Huchen-Anglern als optimal Zustand beschrieben. Und dann am späten Nachmittag spüre ich, inmitten der Hauptströmung, plötzlich einen amtlichen Widerstand in meiner Rute. Alle Sinne sind zum zerreißen gespannt. Ich setzte den Anhieb …und ab geht die Luzi

Einige Minuten später ist es soweit. Ich halte meinen ersten Huchen im Wasser direkt vor mir. FUCK, mein ganzer Körper zittert und ich bin voll mit Adrenalin- aber ich habe es geschafft! Auch wenn ich mir den Drill eines 75cm langen Huchen etwas spektakulärer vorgestellt habe, ich bin einfach nur überglücklich. Und nachdem mein Kumpel Peter ein paar Fotos gemacht hat, spüre ich wie sich der Fisch, langsam aber kraftvoll aus meinem Handgriff löst und majestätisch zurück in die tiefe des Flusses gleitet. Auch wenn es irgendwie idiotisch klingt, ich liebe diese Art des Fischens. Schroffe Umweltbedingungen, eine majestätischer Fisch und geringe Erfolgsaussichten sind immer noch besser als ein trüber Tag im Februar in Berlin.

Falls ihr auch einmal mit uns zum Huchen Fliegenfischen kommen möchtet, schreibt uns einfach eine kurze Mail an: info@fliegenfischen-berlin.de

Sobald wir genügend Anfragen vorliegen haben, organisieren wir dann eine gemeinsame Tour.